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Das Schallarchiv am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik
Das Schallarchiv am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik sammelt und bewahrt seit fast 100 Jahren Tondokumente zur gesprochenen Sprache.
Tondokumente sind eine wichtige Grundlage für die Lehre und Forschung dieser Wissenschaften. Die über 12 000 Einzelaufnahmen stellen ein in seiner Zusammenstellung einmaliges kulturelles und wissenschaftsgeschichtliches Erbe dar. Ausgebaut und erweitert wird das Archiv durch die ständige Übernahme neuer Dokumente.
Die Sammlung dokumentiert nicht nur die historische und gegenwärtige sprechwissenschaftliche Forschung, sie dient vor allem als sprudelnde Quelle für weitere Forschungen.
Die gesprochene Sprache wird in Halle in den Fachgebieten Phonetik, Rhetorik, Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen sowie in der sprechkünstler- ischen Kommunikation gelehrt. Die Zusammensetzung des Archivbestandes wurde und wird dadurch geprägt.
Diese Präsentation soll einen ersten Einblick in die Bestände des Archivs geben. Bei Interesse und für weitere Recherchen steht dem Nutzer eine umfangreiche Datenbank am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik zur Verfügung.
Kleine Historie und Ausblick
Gegründet wurde das Schallarchiv 1910 von dem hallischen Phonetiker Otto Bremer (1862-1936). Tondokumente sind immer an technische Geräte gebunden. Der Mundartforscher nutze die Erfindungen seiner Zeit und trug unter dem Namen „Phonetische Sammlung“ verschiedene Apparate zusammen. Der Edison Phongraph, der Parlograph und das Kymographion dienten seinen Forschungen zur gesprochenen Sprache.
Ab 1925 beginnt Richard Wittsack (1887-1952) eine eigene sprechkundliche Sammlung aufzubauen. Diese umfasst Apparate, Anschauungsmaterialien, Lehrmittel und zahlreiche Tonkonserven.
Die Sammlungen der beiden Wissenschaftler wurden nach dem Tod von Otto Bremer (1936) vereint. Richard Wittsack war sehr um den Ausbau und die Erhaltung der wertvollen Dokumente bemüht. Er kannte die Bedeutung der Sammlung und wusste wie eng sie mit seinem Fach verbunden ist. 1947 wurde sogar der Institutsname erweitert, zum „Institut für Sprechkunde und Phonetische Sammlung“.
Heute ist die Erwähnung im Institutsnamen verschwunden. Die Bedeutung aber ist geblieben.
Verursacht durch schlechte Lagerbedingungen oder auch politische Verhältnisse ist die ursprüngliche Sammlung leider nicht mehr ganz vollständig.
Die größte Herausforderung für die Zukunft bleibt die fortdauernde und vollständige Bewahrung der bereits archivierten und hinzukommenden Stimmen.
Die Daten befinden sich zum größten Teil noch auf ihren Originaltonträgern. Dazu gehören Wachs-Walzen von 1910-1920, Schellackplatten bis 1945, Decelith-Folien, modernere Schallplatten vor allem aus der DDR-Litera- Produktion, Studio- und andere Bänder ab 1950 und diverse Kassetten. Der Erhalt und die Pflege dieser vom Zerfall bedrohten Daten erfordert auf- wendige konservatorische Maßnahmen. Das Seminar bemüht sich entsprech- end seinen Möglichkeiten stetig um eine weitere Sicherung des Bestandes für kommende Generationen.